Amerika - 1.der Heizer

Franz Kafka - Amerika - 1.der Heizer
Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin [...]

Amerika - 2. der Onkel

Franz Kafka - Amerika - 2. der Onkel
Im Hause des Onkels gewöhnte sich Karl bald an die neuen Verhältnisse. Der Onkel kam ihm aber auch in jeder Kleinigkeit freundlich entgegen, und niemals mußte Karl sich erst durch schlechte Erfahrungen belehren lassen, wie dies meist das erste Leben im Ausland so verbittert.

Amerika - 3. Ein Landhaus bei New York

Franz Kafka - Amerika - 3. Ein Landhaus bei New York
“Wir sind angekommen”, sagte Herr Pollunder gerade in einem von Karls verlorenen Momenten. Das Automobil stand vor einem Landhaus, das, nach der Art von Landhäusern reicher Leute in der Umgebung New Yorks, umfangreicher und höher war, als es sonst für ein Landhaus nötig ist, das [...]

Amerika - 4. Weg nach Ramses

Franz Kafka - Amerika - 4. Weg nach Ramses
In dem kleinen Wirtshaus, in das Karl nach kurzem Marsch kam, und das eigentlich nur eine kleine letzte Station des New Yorker Fuhrwerkverkehrs bildete und deshalb kaum für Nachtlager benützt zu werden pflegte, verlangte Karl die billigste Bettstelle, die zu haben war, denn er glaubte, mit dem [...]

Amerika - 5. Hotel Occidental

Franz Kafka - Amerika - 5. Hotel Occidental
Im Hotel wurde Karl gleich in eine Art Büro geführt, in welchem die Oberköchin, ein Vormerkbuch in der Hand, einer jungen Schreibmaschinistin einen Brief in die Schreibmaschine diktierte. Das äußerst präzise Diktieren, der beherrschte und elastische Tastenschlag jagten an dem nur hie und da merklichen Ticken der Wanduhr [...]

Amerika - 6. Der Fall Robinson

Franz Kafka - Amerika - 6. Der Fall Robinson
Da klopfte ihm jemand auf die Schulter. Karl, der natürlich dachte, es wäre ein Gast, steckte den Apfel eiligst in die Tasche und eilte, kaum daß er den Mann ansah, zum Aufzug hin.
“Guten Abend, Herr Roßmann”, sagte nun aber der Mann, “ich bin es, Robinson.”
“Sie haben sich [...]

Amerika - 7. Ein Asyl

Franz Kafka - Amerika - 7. Ein Asyl
Es mußte wohl eine entlegene Vorstadtstraße sein, in der das Automobil haltmachte, denn ringsherum herrschte Stille, am Trottoirrand hockten Kinder und spielten. Ein Mann mit einer Menge alter Kleider über den Schultern rief beobachtend zu den Fenstern der Häuser empor.
In seiner Müdigkeit fühlte sich Karl unbehaglich, als er [...]

Amerika - 8. Das Naturtheater von Oklahoma

Franz Kafka - Amerika - 8. Das Naturtheater von Oklahoma
Karl sah an einer Straßenecke ein Plakat mit folgender Aufschrift: “Auf dem Rennplatz in Clayton wird heute von sechs Uhr früh bis Mitternacht Personal für das Theater in Oklahoma aufgenommen! Das große Theater von Oklahoma ruft euch! Es ruft nur heute, nur einmal! Wer jetzt die [...]

Amerika - Fragmente 1

Franz Kafka - Amerika - Fragmente 1
I “Auf! Auf!” rief Robinson, kaum daß Karl früh die Augen öffnete. Der Türvorhang war noch nicht weggezogen, aber man merkte an dem durch die Lücken einfallenden, gleichmäßigen Sonnenlicht, wie spät am Vormittag es schon war.
Robinson lief eilfertig mit besorgten Blicken hin und her, bald trug er ein Handtuch, [...]

Amerika - Fragmente 2

Franz Kafka - Amerika - Fragmente 2
II Ausreise Bruneldas Eines Morgens schob Karl den Krankenwagen, in dem Brunelda saß, aus dem Haustor. Es war nicht mehr so früh, wie er gehofft hatte. Sie waren übereingekommen, die Auswanderung noch in der Nacht zu bewerkstelligen, um in den Gassen kein Aufsehen zu erregen, das bei Tag unvermeidlich [...]

Das Schloss - Kapitel 1 + 2

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 1 + 2
Das erste Kapitel Es war spät abends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee. Vom Schloßberg war nichts zu sehen, Nebel und Finsternis umgaben ihn, auch nicht der schwächste Lichtschein deutete das große Schloß an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der [...]

Das Schloss - Kapitel 3

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 3
Das dritte Kapitel Im Ausschank, einem großen, in der Mitte völlig leeren Zimmer, saßen an den Wänden bei Fässern und auf ihnen einige Bauern, die aber anders aussahen als die Leute in K.s Wirtshaus. Sie waren reinlicher und einheitlicher in graugelblichen, groben Stoff gekleidet, die Jacken waren gebauscht, [...]

Das Schloss - Kapitel 4 + 5

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 4 + 5
Das vierte Kapitel Er hätte gern mit Frieda vertraulich gesprochen, aber die Gehilfen, mit denen übrigens Frieda hie und da auch scherzte und lachte, hinderten ihn daran durch ihre bloße, aufdringliche Gegenwart. Anspruchsvoll waren sie allerdings nicht, sie hatten sich in einer Ecke auf dem Boden [...]

Das Schloss - Kapitel 6

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 6
Das sechste Kapitel Vor dem Wirtshaus erwartete ihn der Wirt. Ohne gefragt zu werden, hätte er nicht zu sprechen gewagt, deshalb fragte ihn K., was er wolle. “Hast du schon eine neue Wohnung?” fragte der Wirt, zu Boden sehend. “Du fragst im Auftrage deiner Frau”, sagte K., “du [...]

Das Schloss - Kapitel 7

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 7
Das siebente Kapitel Oben traf K. den Lehrer. Das Zimmer war erfreulicherweise kaum wiederzuerkennen, so fleißig war Frieda gewesen. Es war gut gelüftet worden, der Ofen reichlich geheizt, der Fußboden gewaschen, das Bett geordnet, die Sachen der Mägde, dieser hassenswerte Unrat, einschließlich ihrer Bilder, waren verschwunden, der Tisch, [...]

Das Schloss - Kapitel 8 + 9

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 8 + 9
Das achte Kapitel Zunächst war K. froh, dem Gedränge der Mägde und Gehilfen in dem warmen Zimmer entgangen zu sein. Auch fror es ein wenig, der Schnee war fester, das Gehen leichter. Nur fing es freilich schon zu dunkeln an, und er beschleunigte die Schritte. Das [...]

Das Schloss - Kapitel 10, 11 + 12

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 10, 11 + 12
Das zehnte Kapitel Auf die wild umwehte Freitreppe trat K. hinaus und blickte in die Finsternis. Ein böses, böses Wetter. Irgendwie im Zusammenhang damit fiel ihm ein, wie sich die Wirtin bemüht hatte, ihn dem Protokoll gefügig zu machen, wie er aber standgehalten hatte. Es [...]

Das Schloss - Kapitel 13

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 13
Das dreizehnte Kapitel Kaum waren alle fort, sagte K. zu den Gehilfen: “Geht hinaus!” Verblüfft durch diesen unerwarteten Befehl, folgten sie, aber als K. hinter ihnen die Tür zusperrte, wollten sie wieder zurück, winselten draußen und klopften an die Tür. “Ihr seid entlassen!” rief K. “Niemals mehr nehme [...]

Das Schloss - Kapitel 14 + 15

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 14 + 15
Das vierzehnte Kapitel Endlich - es war schon dunkel, später Nachmittag - hatte K. den Gartenweg freigelegt, den Schnee zu beiden Seiten des Weges hochgeschichtet und festgeschlagen und war nun mit der Arbeit des Tages fertig. Er stand am Gartentor, im weiten Umkreis allein. Den Gehilfen [...]

Das Schloss - Kapitel 16 + 17

Franz Kafka - Das Schloss - Kapitel 16 + 17
Das sechzehnte Kapitel Als er dann auf der Straße war, sah er, soweit die trübe Nacht es erlaubte, weiter oben vor des Barnabas Haus noch immer den Gehilfen auf und ab gehen, manchmal blieb er stehen und versuchte durch das verhängte Fenster in die Stube zu [...]